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20. Mai 2011 PDF Dokument Übersicht
Wie hat sich das Medizinstudium verändert? Wissenschaftliche Auswertung von Studierendenbefragungen

Eine Sonderauswertung von Studierendensurveys der vergangenen zehn Jahre der Universität Konstanz zeigt deutliche Veränderungen der Studiensituation

und der studentischen Orientierungen in der Humanmedizin. So stiegen aus Sicht der Studierenden die Zusammenhänge zur Praxis in der Zeit von 2001 bis 2010 um 29 Prozent. Der Wunsch, nach dem Medizinstudium anderen Menschen zu helfen, wuchs im gleichen Zeitraum um 7 Prozent. Mit 83 Prozent liegen auch hier die jungen Mediziner beim Fächer-vergleich an der Spitze.

Instrument zur Weiterentwicklung von Lehre und Studium

„Die Sonderauswertung der Universität Konstanz für die letzte Dekade der Studierendensurveys des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) zeigt Veränderungen im Kontext des Medizinstudiums aus der Sicht von Studierenden auf. Natürlich gibt es für die Lehre und das Studium kontinuierlichen Optimierungsbedarf. Gerade deshalb haben wir die AG Hochschul-forschung um die Sonderauswertung gebeten,“ erläutert Professor Dieter Bitter-Suermann, Präsident des Medizinischen Fakultätentags (MFT). „Wir haben damit ein Instrument erhalten, Verbesserungswünsche besser analysieren zu können.“

Einengung durch staatliche Vorschriften

Der Fächervergleich erlaubt auch die Identifikation von Kritiken, die alle Studiengänge gleicher-maßen betreffen. Dies gilt insbesondere für Prüfungen. „Prüfungszeiten sollten als Lehraufgaben in den Verordnungen der Länder abgebildet werden, um generelle Verbesserungen im Studium zu erreichen,“ fordert der MFT-Präsident. Durch die in den letzten Jahren erfolgte massive Er-weiterung der Lehr- und Prüfungsfächer des Medizinstudiums durch den Bundesgesetzgeber konnte das erforderliche Faktenwissen bei der Ausbildung nur geringfügig reduziert werden. „Die staatlichen Auflagen führen zu einem zu engen Zeitkorsett, das nur wenig Freiraum für die All-gemeinbildung, die Förderung von Problemlösungsfähigkeiten und die sprachlichen Kompetenzen erlaubt,“ beklagt Bitter-Suermann. Zum Nutzen des Medizinstudiums zählen die Studierenden aber durchaus die wissenschaftliche Ausbildung für den Arztberuf. Lag der Anteil derjenigen, die das so sahen, im Jahr 2001 bei 66 Prozent, waren es zehn Jahre später 70 Pro-zent. Im gleichen Zeitraum wurde der Behandlung ethischer Fragen mehr Raum gegeben, dies-bezügliche Anforderungen wurden zunehmend (von 29 auf 41 Prozent) als angemessen beurteilt.

Steigender Forschungsbezug

Im Fächervergleich schätzen die Studierenden den Forschungsbezug ihres Studiums sehr hoch ein: 68 Prozent sind der Ansicht, ihr Studienfach zeichne sich durch einen starken bis sehr starken Forschungsbezug aus. Bei der Chemie, Physik, Pharmazie, Biologie und Biotechnologie liegt der Wert bei 63 Prozent. Bei den übrigen Studierenden ist der entsprechende Anteil mit 40 Prozent deutlich niedriger.

In zehn Jahren wurde viel geschafft

In der Studie der Universität Konstanz wird von den Autoren der AG Hochschulforschung fest-gestellt: „Nahezu alle Wünsche zur Verbesserung des Studiums haben im Vergleich zu früheren Jahren an Dringlichkeit verloren. Dennoch lässt sich nicht bilanzieren, die Studierenden seien „wunschlos“ glücklich.“ Insbesondere die geringen Veränderungen beim BAföG und den Prüfungsanforderungen sind unbefriedigend. Als deutliche Indikatoren für positive Veränderungen können die Abnahme der Wünsche nach mehr Praxisbezug um 36 Prozent und nach mehr Lehr-veranstaltungen im kleinen Kreis um 28 Prozent gesehen werden.

Erwartungen an den Nutzen des Studiums

Die Erwartungen der Studierenden an den Nutzen des Medizinstudiums werden deutlich durch die gesellschaftlichen Veränderungen bestimmt. Hofften im Jahr 2001 nur 9 Prozent auf einen sicheren Arbeitsplatz, waren es 2010 schon 63 Prozent. Die Erwartung nach einem guten Ein-kommen stieg von 22 auf 59 Prozent. Aber auch der Wunsch, die Gesellschaft zu verbessern, wuchs von 33 auf 51 Prozent. Die Identifikation der Studierenden mit dem Medizinstudium stieg von 84 auf 93 Prozent. Sie würden nochmals ein gleiches Studium wählen.

Fachspezifische Evaluationen der Lehre einerseits und fächervergleichende Studierenden-befragungen andererseits sind sich ergänzende Instrumente zur Weiterentwicklung der Hoch-schulen. Vergleichende Untersuchungen, wie sie durch die AG Hochschulforschung am Fach-bereich Geschichte und Soziologie an der Universität Konstanz durchgeführt werden, schaffen dafür wichtige Grundlagen.

Die Sonderauswertung ist von der Homepage des MFT abrufbar:
http://www.mft-online.de/dokumente2011/MedizinberichtGesamt.pdf

Ansprechpartnerin:

Verena Wirwohl
– Ass. iur. –
MFT – Medizinischer Fakultätentag der Bundesrepublik Deutschland
Alt-Moabit 96, 10559 Berlin
Tel.: 030/6449 8559 -15, Fax: -11
E-Mail: wirwohl@mft-online.de

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