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Berlin, den 25.11.2015 PDF Dokument Übersicht
Impulsgeber eines vernetzten Gesundheitssystems

Das kürzlich von Bundesforschungsministerin Johanna Wanka vorgestellte „Förderkonzept Medizininformatik“ unterstützt die Uniklinika als Impulsgeber für ein digital vernetztes Gesundheitssystem.

Bei jedem Krankenhausaufenthalt oder Arztbesuch werden bei Diagnostik und Therapie unzählige medizinische Daten erhoben. Auch Forschungsprojekte produzieren enorme Datenmengen. Diese Daten sind heute verstreut über eine Vielzahl von Einzeldatenbanken, die untereinander nicht vernetzt sind. Außerdem verhindern inkompatible Software und unterschiedliche Datenstandards in den medizinischen Einrichtungen oft, dass diese Informationen für eine optimale Patientenversorgung und medizinische Forschung zusammengeführt werden. „Wir lassen viele Daten ungenutzt. Dabei könnten wir bessere Behandlungsstrategien finden, wenn wir nur die vorhandenen Daten besser zusammenführen und auswerten könnten“, sagt Prof. Dr. Heyo Kroemer, Präsident des Medizinischen Fakultätentages (MFT).

Das „Förderkonzept Medizininformatik“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) möchte genau das erreichen: Neue IT-Lösungen sollen die Bündelung, den Austausch und die Nutzung von Daten aus Krankenversorgung und Forschung zwischen verschiedenen Institutionen und Standorten ermöglichen und damit die medizinische Forschung und die Patientenversorgung stärken. Dafür braucht es an den verschiedenen Standorten der Hochschulmedizin eine aufeinander abgestimmte IT-Infrastruktur. Diese gilt es nun aufzubauen. „An den Uniklinika haben sich über die Jahre sehr unterschiedliche IT-Landschaften herausgebildet. Diese Insellösungen müssen dringend vernetzt werden. Dafür stellt der Bund in den kommenden fünf Jahren bis zu 100 Millionen Euro zur Verfügung. Diese Initiative ist immens wichtig. Wir sind froh und dankbar, dass das BMBF sich hier engagiert“, sagt Prof. Dr. D. Michael Albrecht, 1. Vorsitzender des Verbands der Universitätsklinika (VUD). „Wir werden durch die bessere Vernetzung mehr Erkenntnisse über die jeweilige Krankheit und den jeweils optimalen Therapieansatz erhalten, was schließlich einen klaren Vorteil für die Patienten bringen wird“, ergänzt Prof. Kroemer. Dabei müssten die 33 Standorte der Hochschulmedizin den Impuls geben, und später die Koordination in ihren Regionen übernehmen.

Das Programm sei deshalb ganz bewusst keine pauschale Strukturförderung für Universitätsklinika, sondern unterstütze gezielt die Vernetzung von Wissen an der Schnittstelle von Forschung und Krankenversorgung. „Wir haben als Uniklinika die Aufgabe, den Mittelpunkt eines Versorgungsnetzwerkes zu bilden, das alle anderen Leistungserbringer in der Region einbezieht und neue Erkenntnisse möglichst schnell in die breite Versorgung bringt“, erläutert Prof. Albrecht.

Das Programm richtet sich zunächst vor allem an Universitätsklinika, da dort die patientennahe medizinische Forschung stattfindet. Sie sollen Lösungen pilotieren und später über Kooperationen auch in die Fläche bringen. Bis März 2016 sollen sich Konsortien aus mindestens zwei Universitätskliniken und weiteren Partnern, wie anderen Krankenhäusern, Forschungseinrichtungen und Unternehmen aus den Branchen IT, Pharmazie, Biotechnologie oder Medizintechnik, zusammenschließen und für die Konzeptphase bewerben. Danach (voraussichtlich ab Juli 2016) haben sie dann zunächst neun Monate Zeit, um neue Ansätze für einen standortübergreifenden Datenaustausch zu erarbeiten. Die besten Konzepte werden von einem internationalen Gutachtergremium ausgewählt und innerhalb von vier Jahren realisiert.

Unabdingbare Voraussetzung für eine Förderung ist, dass die in Deutschland sehr strengen datenschutzrechtlichen Standards und Rahmenbedingungen eingehalten werden. „Wir begrüßen sehr, dass das Förderkonzept auch die ethischen, rechtlichen und sozialen Aspekte der Medizininformatik beleuchten will und dadurch nicht nur in der Medizin, sondern gesamtgesellschaftlich über diese Fragen diskutiert wird“, sagt Prof. Kroemer.

Prof. Kroemer und Prof. Albrecht stehen als Ansprechpartner und für Interviews zu diesem Thema zur Verfügung.

Deutsche Hochschulmedizin e.V.
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